Kurzweilig, trendig, lustig: Müssen wir Lehrer Entertainer sein?

„Und jetzt, liebe Schülerinnen und Schüler, folgt mir auf TikTok, abonniert meinen Brief-Channel und lasst ein Like da, wenn ihr Normen versteht!“
Klingt übertrieben? Leider nicht. Willkommen im Jahr 2025 – wo der Unterricht viral gehen soll und Lehrer sich fragen: Muss ich jetzt eigentlich auch Content Creator sein?

Vom Lehrertisch zur Bühne

Früher reichte es, wenn man als Lehrperson erklären konnte, was eine Wenn-Funktion ist. Heute muss man dabei leuchten, sprechen wie ein Podcaster und multitasken wie ein Livestreamer.
Kritisch wird es, wenn IT-Unterricht plötzlich mit Entertainment verwechselt wird. Wer keine Trendwörter nutzt oder keinen coolen Sound unter die Präsentation legt, riskiert, bei der Generation Scroll in die algorithmische Bedeutungslosigkeit zu rutschen. Die neue Haftbefel-Doku? Wird sofort im Unterricht gezeigt. Und warum? Weil es die Influencer-Lehrer auch so tun.

FOMO – die Fear Of Missing Out – betrifft längst nicht mehr nur Jugendliche. Auch Lehrkräfte spüren sie. „Wenn ich nicht auf Instagram/TikTok bin, verpasse ich vielleicht den nächsten pädagogischen Trend.“ Aber seit wann definiert sich gute Bildung über Klickzahlen?

Zwischen Authentizität und Algorithmus

Natürlich: Aufmerksamkeit ist die neue Währung. Und wer OMAI/IT unterrichtet, weiß, dass Kommunikation digital gedacht werden muss. Ein gewisses Maß an Show gehört dazu, schließlich konkurrieren wir mit einem unendlichen Feed aus „6-7 Videos“ (6-7 ist ein Sinnlos-Begriff, denken Sie nicht weiter darüber nach) und irgendwelchen halbwitzigen Challenges. Aber die Frage ist: Wie viel Entertainment braucht echte Bildung?

Ein Unterricht, der nur auf „Likes“ optimiert ist, verliert seine Seele – und das Vertrauen der Schülerinnen und Schüler gleich mit.

Das wahre Update

Es geht nicht darum, TikTok zu verteufeln oder Social Media aus dem Klassenzimmer zu verbannen. Es geht darum, das Digitale pädagogisch zu entschleunigen.
Vielleicht ist das nächste große Bildungs-Update nicht ein weiterer Kanal, sondern eine Rückkehr zu echter Verbindung – zwischen Menschen, nicht Profilen.

Also nein, IT-Lehrpersonen müssen keine Entertainer sein.
Aber sie dürfen inspirieren, überraschen, manchmal auch scheitern … und genau das ist die ehrlichste Form von „Content“, die es gibt.